
Charta des Modellquartiers Eggarten-Siedlung
Alle Projektbeteiligten der Eggarten-Siedlung haben sich verpflichtet, eine Charta als verbindliche Grundlage für die Planung, Realisierung und den späteren Betrieb des Modellquartiers anzuerkennen. Sie gilt auch als Leitlinie für die Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt München.
Festgeschrieben sind darin sechs Themenfelder:
Dauerhaft sicheres Wohnen für alle
Das Quartier wird die Zusammensetzung der Münchner Wohnbevölkerung in ihrer sozialen und kulturellen Vielfalt widerspiegeln. Die Wohnungsangebote richten sich an alle Einkommensschichten und ermöglichen auch unterschiedliche Formen des inklusiven Wohnens. Bindungsfristen von mindestens 40 bzw. 60 Jahren garantieren den langfristigen Bestand dieser Mischung. Ein großer Teil der Wohnungen entsteht im genossenschaftlichen Gemeinschaftseigentum und schafft damit ein Höchstmaß an Wohnsicherheit. Neue und flexible Wohnungstypologien reagieren auf veränderte Lebensstile und überwinden die klassische Trennung von Wohn- und Arbeitswelten. Gemeinschaftseinrichtungen in den Wohngebäuden fördern die Nachbarschaft.
Ein grünes Quartier mit eigener Identität
Nachverdichtung und Wiedernutzbarmachung bedeuten immer auch eine Transformation gewohnter, teilweise lieb gewonnener Strukturen. Vor dem Hintergrund des Einwohner*innenzuwachses und des gestiegenen Wohnflächenanspruchs pro Kopf müssen heute jedoch hohe städtebauliche Dichte und hohe Freiraumqualität in Einklang gebracht werden. Die Eggarten-Siedlung soll daher zeigen, dass Stadt und Natur kein Widerspruch sind: Durch flächensparende Bauweise, umfangreiche Maßnahmen zum Natur- und Artenschutz und eine strukturreiche Gestaltung der öffentlichen und privaten Grünflächen kann auch künftig ein Quartier mit großer Vielfalt entstehen, das der heutigen Gartennutzung nicht nachsteht. An Geschichte und Charakter des Ortes wird durch umfangreichen Erhalt des Baumbestandes, mehrerer Bestandsgebäude und weiterer identitätsstiftender Elemente angeknüpft.
Ein lebendiges Quartier der kurzen Wege
Das neue Quartier wird mehr sein als ein Wohngebiet mit integrierter Nahversorgung, Bildungs- und Betreuungsangeboten. Vielmehr geht es um die Überwindung der im Leitbild der „autogerechten Stadt“ etablierten funktionsräumlichen Trennung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit/Erholung. Daher sollen in der Eggarten-Siedlung Räume und Flächen angeboten werden, die sich für vielfältige gewerbliche, kulturelle und soziale Nutzungen eignen. So können auch Versorgungsdefizite in der umgebenden Nachbarschaft abgebaut werden. Eine besondere Bedeutung kommt der engeren Verknüpfung von Wohn- und Arbeitswelten zu. In definierten Abschnitten des Quartiers sollen vielfältig nutzbare EG-Zonen mit guter Anbindung an den öffentlichen Raum ausgebildet werden, die zur Belebung des Quartiers beitragen und auf kurzen Wegen den täglichen Bedarf der Bewohner*innen abdecken. Für die Integration einer Grundschule, umfangreicher Sportflächen und mehrerer Kitas in das Quartier werden entsprechende Grundstücksflächen zur Verfügung gestellt und die Baukosten anteilig übernommen.
Ein klima- und umweltfreundliches Quartier
Die Eggarten-Siedlung setzt auf Maßnahmen sowohl zum Klimaschutz als auch zur Klimaanpassung. Im Sinne eines energetischen Modellquartiers wird eine CO₂-neutrale Energieversorgung entwickelt, die auf Wärme und Strom aus lokalen erneuerbaren Energien setzt. Das Ziel besteht darin, die Treibhausgasemissionen ganzheitlich zu minimieren und einen hohen Anteil erneuerbarer Energien bei einem optimalen energetischen Gebäudestandard zu erreichen – letzteres unter Betrachtung des gesamten Lebenszyklus und Minimierung des CO2-Fußabdrucks bereits im Bau.
Baustein der Mobilitätswende
Die Bewohner*innen im Eggarten sollen genauso mobil sein können wie heute – allerdings auf andere Art und Weise. Die Dominanz des Privat-Pkw wird zurückgedrängt zugunsten anderer komfortabler Mobilitätsangebote. Das Quartier selbst wird weitgehend autofrei gestaltet. Die Wohngebäude erhalten keine Pkw-Tiefgaragen. Stattdessen entstehen Sammelgaragen an den Rändern des Quartiers. Die Erschließungsstraßen und -wege betonen den Vorrang für Fuß- und Radverkehr (Fokus auf „aktive Mobilität“) und zeichnen sich durch hohe Aufenthaltsqualität aus. Sharingangebote erleichtern den Verzicht auf den eigenen Pkw. Gute Anbindungen an den ÖPNV und dessen attraktive Angebote sind essenziell für die signifikante Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs unter das Niveau des Stadtbezirks. So kann die Belastung für Umwelt und Nachbarschaft deutlich verringert werden. Die Reduzierung des privaten Verkehrs verringert aber auch den Verkehrslärm im Innern des Quartiers und ermöglicht weniger versiegelte Verkehrsflächen.
Kommunikation, Mitwirkung, Selbstorganisation
Die späteren Bewohner*innen sowie die weiteren Nutzer*innen des Quartiers verfügen über die Expertise bei der Planung und Realisierung ihrer zukünftigen Wohnwelten, des Wohnumfeldes und des gesamten Quartiers. Geeignete Kommunikations- und Beteiligungsstrukturen schaffen die Voraussetzungen, dass sie ihre Bedarfe, Anregungen und Kritik frühzeitig einbringen können. Das Angebot zur aktiven Mitwirkung richtet sich ausdrücklich auch an die Nachbarschaft des neu entstehenden Quartiers. Angestrebt wird ein hohes Maß an Selbstorganisation bei der Planung und Gestaltung des Wohnumfeldes und dem späteren Betrieb gemeinschaftlicher Einrichtungen. Ein kontinuierlicher Dialog mit den Bürger*innen soll einen transparenten Informationsfluss über den gesamten Planungsprozess hinweg gewährleisten.
